Die Rolle der öffentlichen Diplomatie im Digitalzeitalter. Vergleichende Modelle

Diplocat

Diplocat hat heute mit einem internationalen Seminar in Barcelona offiziell seine Arbeit wieder aufgenommen

Der Diplomatische Dienst von Katalonien (Diplocat) lud am heutigen Freitag, dem 3. Mai im historischen Recinte Modernista de Sant Pau der katalanischen Hauptstadt zu einer internationalen Tagung über Modelle der öffentlichen Diplomatie ein. Unter den Teilnehmern befanden sich Hochschulprofessoren und -dozenten, Vertreter der Mitgliedsorgane von Diplocat sowie Fachleute aus dem Bereich der digitalen Diplomatie.

Nach den Worten von Laura Foraster, Generalsekretärin von Diplocat, müsse "Katalonien eine wichtige Rolle auf globaler Ebene spielen, und dies bedeutet heute den Aufbau ergänzender Außenaktivitäten zusätzlich zur klassischen Diplomatie, da die Regierungen im internationalen Dialog nicht mehr die alleinige Hauptrolle spielen." Damit begründete sie die Wiederaufnahme der öffentlichen Tätigkeit des Organs "nach einer mehr als einjährigen Zwangspause" aufgrund der Anwendung des Verfassungsartikels 155 durch die Spanische Zentralregierung. Im Gespräch mit den anwesenden Journalisten betonte Foraster, die Aufgabe von Diplocat könne nicht "eingeschränkt" werden, und man werde auch "zukünftig weiterhin das Bild von Katalonien exportieren, seine Stärken und Werte."

Auch der Brite Nicholas Cull, Professor und Masterbetreuer im Studiengang Öffentliche Diplomatie an der Universität von Südkalifornien (USC) und einer der weltweit herausragenden Experten auf dem Gebiet, sprach über das Recht, gar die Pflicht Kataloniens, öffentliche Diplomatie zu betreiben. In seinem Eröffnungsvortrag erläuterte Cull die Unterschiede zwischen klassischer und öffentlicher Diplomatie und hob einige grundlegende Eigenschaften letzterer hervor: das Bedürfnis zuzuhören und sich mitzuteilen, die Bedeutung der Kultur und des Austausches sowie die Macht des Fernsehens und der Medien als Übermittlungskanäle.

Cull machte deutlich, dass die öffentliche Diplomatie kein Monopol der Nationalstaaten und die Regierungen nicht mehr die einzige Stimme im internationalen Dialog seien, oft seien sie sogar die unglaubwürdigste Stimme. Als neue Akteure auf dem Parkett nannte er nichtstaatliche, unter- und überstaatliche Stellen wie Kommunen, Körperschaften und digitale Communities. Der britische Wissenschaftler nahm dabei explizit Bezug auf Diplocat. Er "bewundert" das Organ seit Jahren und halte es für ausgesprochen kompetent für die Ausübung öffentlicher Diplomatie, fände es gar "unerklärlich, wenn dies nicht erfolgen würde."

Danach ging es weiter mit zwei runden Tischen. Der erste runde Tisch unter Moderation der Journalistin Teresa Turiera untersuchte Beispiele guter Praktiken im Bereich der öffentlichen Diplomatie. Joan David Janer Torrens, Lehrstuhlinhaber für Internationales Öffentliches Recht an der Universität der Balearischen Inseln, hat die öffentliche Diplomatie der spanischen Autonomen Gemeinschaften untersucht und erklärte, dass die Vorbehalte der Spanischen Zentralregierung und des Verfassungsgerichts gegenüber Diplocat und die öffentliche katalanische Diplomatie zum Teil auf die Verwirrung zwischen traditioneller und öffentlicher Diplomatie zurückgingen. Corneliu Bjola, außerordentlicher Professor für Diplomatische Studien und Leiter der Forschungsgruppe Digitale Diplomatie in Oxford, betonte die Bedeutung der digitalen Diplomatie und definierte die Information und vor allem die Daten als "das Erdöl unserer Zeit." Manel Camós, pensionierter EG-Beamter, sprach über die Diplomatie bei den europäischen Institutionen und erklärte sie kämen "zwar langsam voran, aber stetig."

Beim zweiten runden Tisch unter der Moderation von Laura Pous, Journalistin der Agència Catalana de Notícies (ACN), ging es um spartenspezifische öffentliche Diplomatie. Jordi Calsamiglia, Vorstandsmitglied des FC Barcelona, sprach über Sportdiplomatie und das internationale Potenzial seines Vereins, Juan Luis Manfredi, Lehrstuhlinhaber für Journalismus an der Universität von Castilla-La Mancha, referierte über digitale Diplomatie; Teresa Navarro, Generaldirektorin von FemCAT, behandelte die Wirtschaftsdiplomatie; Àlex Hinojo, Koordinator für Digitale Strategie des Instituts Ramon Llull, leistete einen Beitrag zur Kulturdiplomatie und Alexis Roig, Chief Executive Officer von Scitech Diplohub, beleuchtete die wissenschaftliche und technologische Diplomatie.

Die heutige Tagung fand unter dem besonderen Eindruck der Wiederaufnahme der Tätigkeit von Diplocat statt. Neben dem Schaffen der Grundlagen für ein neues Strategieprogramm der Körperschaft bestand ein weiteres Ziel der Tagung in der Klärung dessen, was öffentliche Diplomatie ist und was nicht, da dieser Punkt oft zu Missverständnissen geführt hat, bis hin zur Infragestellung der Tätigkeit der Institution selbst.

In Zusammenarbeit mit:

Recinte Modernista de Sant Pau